Die Anti-Atomkraft-Bewegung

Zehn Zeitzeugen-Clips zu den Auseinandersetzungen um den seit 1977 geplanten Bau eines Atommülllagers in Gorleben ermöglichen es, sich mit der Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland an einem herausragenden Beispiel auseinanderzusetzen. In Gorleben gab es unter anderem eine Betonhalle zur Zwischenlagerung von riesigen Castor-Behältern mit radioaktiven Abfällen sowie ein Erkundungsbergwerk, wo die Eignung des Standorts für ein Endlager im Untergrund geprüft wird. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Protest 1980, als ein Bohrloch besetzt und am 3. Mai die alternative „Republik Freies Wendland“ gegründet worden ist. Bis zur Räumung des Dorfs am 4. Juni lebten dort bis zu 5.000 Atomkraftgegner. Später wurden dorthin immer wieder „Castor-Transporte“ mit Restmüll der Brennstoffproduktion unter anderem aus Frankreich zur Zwischenlagerung gebracht. Ein aufwändiger Polizeischutz war notwendig, um die zahlreichen Demonstranten daran zu hindern, die Straßen zu versperren und den Transport zu behindern. Zur Einführung in das komplexe Thema kann die Lemo-Seite http://www.hdg.de/lemo/kapitel/geteiltes-deutschland-krisenmanagement/bundesrepublik-im-umbruch/anti-atomkraft-bewegung.html genutzt werden. Einen ersten Überblick gibt die Chronologie der Ereignisse im pdf-Dokument „Arbeitsaufträge“.

Uta Helene Götz: 50 Strickende gegen Gorleben

Die vielseitige Künstlerin Uta Helene Götz (*1942) beschreibt ihre Rolle in der Gorlebener Besetzerszene.

Impulse:

Götz sagt, sie habe sich für die Attraktivität der Bewegung verantwortlich gefühlt. Was genau hat sie dafür bei den Flugblättern und Aktionen getan? Geben Sie ihre Motive wieder.

Götz spricht über eine speziell weibliche Form des Protests. Wie sah dieser aus und wie wirkte er?

Die Künstlerin erzählt, wie ihr Engagement sie auch in einen neuen Beruf als Bühnen- und Kostümbildnerin geführt hat. Beschreiben Sie ihre „theatralische“ Arbeit für die Bewegung und schätzen Sie ihre Bedeutung ein.

Begründen Sie, warum die Anti-Atomkraft-Szene im Wendland so viele künstlerisch tätige Menschen angezogen hat.

(Interview von 2014)

Wolfgang Ehmke: Vermittler zwischen Bauern und Stadtlinken

Der Berufsschullehrer Wolfgang Ehmke (*1947) berichtet über seine vermittelnde Rolle in der lokalen Gorlebener Bewegung ab 1977 gegen das geplante Nukleare Entsorgungszentrum Gorleben.

Impulse:

Begründen Sie seine besondere Eignung als Vermittler zwischen den unterschiedlichen Gegnern des Endlagers in Gorleben.

Erklären Sie die Konflikte, die unter den Besetzern in Wendland aufgetreten sind, z. B. zwischen „Müslis“ und „Mollies“. Welchen großen Erfolg sieht Ehmke abschließend?

(Interview von 2014)

Eva Quistorp: Republik Freies Wendland

Die Mitbegründerin der „Grünen“ Eva Quistorp (*1945) erzählt von ihren Erlebnissen und ihren Gefühlen für die „Republik Freies Wendland“.

Impulse:

Beschreiben Sie die Lebensweise im Lager der Besetzer des Gorlebener Bohrlochs und erklären Sie den speziellen Reiz für viele, die sich dort niederließen. Warum z. B. gab es eigene Pässe?

Quistorp hat in Berlin ein Solidaritätsfest für die Besetzer organisiert. Erklären Sie ihre Ziele dabei und beurteilen Sie ihren Erfolg.

Quistorp hat eine Karriere als „Grünen“-Politikerin gemacht. Recherchieren Sie dazu in der Kurzbiographie und überlegen Sie, wie die Erfahrungen in der Anti-Atomkraft-Bewegung die parteipolitische Arbeit beeinflussen konnten.

(Interview von 2014)

Jochen Stay: Blockade gegen Castortransport

Einer der Hauptinitiatoren der Protestbewegung, Jochen Stay (*1965), ist Anfang der 1990er Jahre nach Gorleben gekommen, um sich in der Bürgerinitiative zu engagieren. Er gilt inzwischen als das „Gesicht der Bewegung“.

Impulse:

Beschreiben Sie seine genauen Tätigkeiten und Emotionen bei den Aktionen, an denen er beteiligt war.

Stay überlegt, ob Opposition oder Widerstand gegen das Endlager der richtige Begriff für sein Engagement ist. Diskutieren Sie die Problematik, den Begriff des Widerstandes auf die Anti-Atomkraft-Bewegung anzuwenden. Nehmen Sie selbst dazu Stellung. Ziehen Sie auch den Clip mit Wolfgang Sternstein heran.

Recherchieren Sie in den Kurzbiographien den Lebensweg von Jochen Stay. Charakterisieren Sie ihn und begründen Sie seine Erfolge als „Gesicht der Bewegung“.

(Interview von 2014)

Ulrich Flender: Sicherung von Castor-Transporten

Der Bundesgrenzschutzbeamte Ulrich Flender (*1946) berichtet von den Schwierigkeiten, die Demonstranten dem Transport der Castor-Behälter und der Polizei bereitet haben.

Impulse:

Geben Sie die neuen Aktionsformen der Demonstranten wieder und den Umgang der Polizei damit.

Diskutieren Sie in der Klasse darüber, ob die Polizei angemessen, zu hart oder zu nachgiebig reagiert hat.

(Interview von 2014)

Gunther Bohle: Ausnahmezustand am Bauzaun

Ein weiterer Polizist Günther Bohle (*1956) berichtet von seinen zahlreichen Einsätzen gegen Atomkraftgegner.

Impulse:

Fassen Sie die Äußerungen des Polizisten über seine eigenen Gefühle zusammen.

Vergleichen Sie Bohles Beitrag mit dem vorherigen von Ulrich Flender zur Position der Polizisten in den Aktionen.

Stellen Sie seine Haltung der vom Demonstranten Helmuth Peters gegenüber.

(Interview von 2014)

Karl-Friedrich Rommel: Aufklären über Tschernobyl

Der Journalist Karl-Friedrich Rommel (*1962) aus Oberschwaben berichtet von seinem Projekt einer regionalen Zeitung, das er nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in der Ukraine 1986 betrieben hat.

Impulse:

Informieren Sie sich zu den Ereignissen von Tschernobyl. Stellen Sie ihre Auswirkungen für Süddeutschland fest und erläutern Sie die Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit.

Der Journalist Rommel benutzt den Begriff der „Gegenöffentlichkeit“. Erklären Sie diesen Ausdruck und begründen Sie seine Motive zur Zeitungsgründung.

(Interview von 2014)

Wolfgang Sternstein: Machtfragen

Der Friedens- und Konfliktforscher Wolfgang Sternstein (*1939) war bereits in der Frühzeit der Bewegung an mehreren Aktionen gegen den Bau von AKW am Oberrhein beteiligt, z. B. in Wyhl 1975, aber auch an den „Schlachten am Bauzaun“ 1977/78, an denen so genannte „K-Gruppen“ mit hoher Gewaltbereitschaft beteiligt waren.

Impulse:

Beschreiben und erklären Sie die Veränderungen unter den Demonstranten und ihrer Motive in dieser Zeit.

Der Wissenschaftler führt die Reaktion des Staates darauf zurück, dass die „Machtfrage“ gestellt worden sei. Erläutern Sie seine Auffassung und schätzen Sie den Erfolg der Bewegung bis Anfang der 1980er Jahre ein.

Recherchieren Sie in der Wikipedia das Leben Sternsteins. Stellen Sie die Einflüsse fest, die ihn geprägt haben.

(Interview von 2014)

Matthias Edler: Mit Gorleben tagtäglich leben

Der Politologe Matthias Edler (*1968) bezeichnet sich selbst ironisch als „Berufsdemonstranten“ in der Anti-Atomkraft-Bewegung. Seit seinem 15. Lebensjahr und als Politikstudent engagierte er sich ständig in Demonstrationen. Er arbeitet inzwischen als Atomexperte für die Umweltorganisation Greenpeace.

Impulse:

Beschreiben Sie seine genauen Tätigkeiten, die für ihn zum Beruf geworden sind und seine Motivation dazu.

Er grenzt sich von den „Berufspolitikern“ der Parteien ab. Erläutern Sie die Gefahren, die er bei diesen sieht und sein persönliches Programm dagegen.

(Interview von 2014)

Gisbert Stevens: Kampf der Kumpel

Gisbert Stevens (*1949), ein Gorlebener Bergmann, hat sich für die Erkundung des Standorts zur Eignung für den Bau des Endlagers engagiert.

Impulse:

Geben Sie sein Verhältnis zu den Atomkraftgegnern wieder.

Begründen Sie seine Motive für dieses Engagement.

(Interview von 2014)

Helmuth Peters: Immer aktiv gegen Atomkraft

Helmuth Peters (*1931) ist als Rentner in die Region von Gorleben gezogen, um sich auf seine Weise in der Anti-Atomkraft-Bewegung zu engagieren.

Impulse:

Beschreiben Sie seinen Beitrag in der Bewegung genau. Was hat ihn dabei überrascht?

Helmuth Peters weist auf die Rolle der Stromanbieter und ihrer Kunden für die Finanzierung der Atomanlagen hin. Diskutieren Sie in der Klasse, ob die Kunden einen Einfluss auf die Art der Stromerzeugung haben.

(Interview von 2014)

Autor: Ulrich Bongertmann